Goldrausch am Amazonas

23. Dez.

Die Eindrücke, die man durch die Interoceano Sur bekommt, machen klar, warum Fauna und Flora des Nationalpark Tambopata im Gebiet des Amazonas stark gefährdet sind.

Überall an den Flüssen stehen Bagger und graben das Sediment aus den Flüssen, daneben stehen oft Baracken oder einfachste Zelte. Die Müllberge vor den Dörfern sind hier gewaltiger als anderswo in Peru. Rotlichtbars und Prostituierte säumen teilweise den Straßenrand.

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Straßenblockade – eine Variante von praktizierter Selbstjustiz in Peru

15. Dez.

Laut Presse-Information ist dies bereits der 7. Tag der Totalblockade. Luis, unser peruanischer Bekannter vom Vortag, versicherte uns, heute morgen wird die Blockade schon aufgelöst sein.

Wir fuhren skeptisch aber optimistisch Richtung Campanilla. Und da sahen wir auch schon die lange Schlange von Lkws und Pkws. Offensichtlich hatte es sich herumgesprochen, dass heute freie Fahrt sei. Doch augenscheinlich eine Fehlinformation.

Straßenblockade bei Campanilla

Was machen wir jetzt, die 2000 Kilometer Umweg oder abwarten?

Grund der Straßenblockade – der schlechte Zustand der PE-5N im Abschnitt Bello Horizonte, Nuevo Jaén y Nuevo San Martín

Ziel war daher einen Vertrag mit den Zuständigen aus Lima abzuschließen.

Da kam die Nachricht, dass für heute in Juanjuí oder hier in Campanilla die jeweiligen Vertreter an einen „Tisch des Dialoges“ zusammensitzen wollen. Nach 7 Tagen Blockade soll nun also der Dialog beginnen. Wie lange so ein Dialog dauert, weiß vor Ort leider niemand.

Straßenblockade in Campanilla, Peru

Dann preschte ein Auto mit Anzugträgern an uns und der Autoschlange vorbei Richtung Blockade. Sieht so aus, als ob der „Tisch des Dialoges“ beginnt.

Straßenblockade bei Campanilla

Dem folgte langsam ein Polizeiauto in zweiter Reihe. Dies wurde von unserem Hintermann, dem das Warten zu lange wurde, allerdings nicht registriert. Er  keilt aus und stoppte so unfreiwillig das Polizeiauto. Es kracht. Ein dicklicher Polizeibeamte steigt sofort aus und geht wütend schimpfend auf den Unfallverursacher zu. Ich verstehe nur Idiot; nach einem kurzen Dialog steigt der Beamte wieder ein und fährt weiter Richtung „Tisch des Dialoges“. Ist ja nur eine Delle, was solls, unwillkürlich schweifen nun meine Gedanken Richtung Deutschland.

Endlich  – es geht weiter

Irgendwann höre ich „um ein Uhr öffnen sie, um ein Uhr geht es weiter“. Ich frage nach „Ja, ja, sie haben sich geeinigt. Um ein Uhr wird geräumt“.

Gegen 13:30 war es dann soweit, die Zelte wurden abgebaut, die Barikade entfernt. Die ersten Fahrzeuge starteten. Wir waren einfach nur froh, endlich ging es wieder voran.

 

Straßenblockade in Campanilla, Peru
Endlich ging es weiter….

Wie gewohnt hatte Peter noch vor Ortsende sämtliche Fahrzeuge überholt. Ich diagnostizierte bei ihm einmal Rücklichtunverträglichkeit, schleicht sich wahrscheinlich erst in späteren Jahren aus, wenn das Augenlicht nachlässt.

Straßenblockade in Campanilla, Peru
Reste von einer Blockade

Wir besprachen noch, ob wir in irgendeiner vorbeiziehenden Ortschaft etwas Essen sollten, entschieden uns aber dagegen, wir wollten endlich wieder zügig vorankommen.

Straßenblockade in Campanilla, Peru

Die nächste Blockade

Und dann kam auch schon die nächste Ernüchterung: Eine endlose Schlange von Fahrzeugen stand am linken Wegrand. Nein das kann jetzt nicht sein. Wir beschlossen dieses eindeutige Zeichen zu ignorieren und fuhren vorbei an der kilometerlange Blechlawine und da war sie wieder: Eine meterhoch aufgebaute Straßenblockade aus Ästen und Stämmen blockierte die Carretera Marginal de la Selva (PE-5N) kurz vor Nuevo Jaén.

Das widersprach unserer Logik: Wie kann es sein, dass an einer Stelle die Blockade geöffnet wurde und hier soll sie weiter bestehen? Bedingung für die Öffnung war doch der Vertrag, der musste also bereits unterzeichnet sein, ist das hier etwa noch nicht angekommen?

Wir machten Ansätze rechts an der Blockade vorbei zufahren, sie einfach zu ignorieren. Gleich waren die offensichtlichen Anführer zur Stelle:

„Sie können hier nicht vorbei fahren“    „warum, die Blockade ist doch geöffnet“    „nein, Sie können hier nicht fahren“    „warum? Die Blockade in Campanilla ist vor einer halben Stunden geöffnet worden, warum hier nicht?“    „Sie können hier nicht vorbei fahren, hier ist eine Blockade“    „Ich denke das geht schon“.

Peter fing an Gas zu geben und deutete an rechts an den Stämmen vorbei zu fahren. Der Ton wurde agressiver: „Hier verboten. Nein. Nein. Nein“ Der Anführer wechselte auf Gringo-Spanisch.

Eine Gruppe von Blockierern hatte sich bereits um unser Auto versammelt. Sie deuteten uns nach hinten zu fahren. Etwa 2 Meter vor der Blockade sollten wir einparken. Machten wir. Fluchend. Die freudige Erwartung am heutigen Tag endlich wieder voranzukommen wich einem Gefühl der Frustration, die sich zumindest bei mir in blanke Wut wandelte.

Dann kamen Rufe von hinten: „Das kann doch nicht sein, dass die sich jetzt da vorne hinstellen“ Damit waren wir gemeint. „Die sollen nach hinten!“ . Dann wurde es noch unruhiger, offensichtlich kamen nun weitere Fahrzeuge von der vorherigen gelösten Blockade an, einige ignorierten wohl genauso wie wir die Fahrzeugschlange und fuhren nach vorne. Geschrei um uns herum. Eine Gruppe von Männern machte sich lautstark auf den Weg nach hinten um die Fahrzeuge zu stoppen.

Dann versammelte sich eine weiter Meute vor uns, bestückt mit Seilen, Stäben und teilweise Ketten. Ein Mann fing an mit einem schweren Seil auf unser Auto zu schlagen. Wir sollen zurück fahren. Die Meute drängte uns. Da wir unseren Mietwagen auch weiterhin unversehrt behalten wollten blieb uns keine andere Wahl. Wir fuhren rückwärts mehr als 500 m an den wartenden LKWs vorbei. Der drohende Mob vor uns. Hatte ich am Vortag noch etwas Verständnis für die Anliegen der Menschen, so war spätestens jetzt nur noch Wut und Verachtung übrig geblieben.

Selbstjustiz als Reaktion auf die Ignoranz der Regierenden

Polizei ist hier in der Regel nicht vor Ort. Für die Sicherheit sorgen privat organisierte Bürgerwehren. Hier, in der Region San Martín, wird man regelmäßig auf der Straße vom bewaffneten Mitglieder dieser Bürgerwehren, Männer und Frauen, gestoppt. Sie bitten dann freundlich um Unterstützung. Nachdem man ein paar Soles bezahlt hat, fährt man mit den besten Wünschen wieder weiter.

Straßenblockade bei Nuevo Jaén

Luis hatte uns am Vortrag erzählt, wie unsicher früher die Gegend hier war, seid die Bürgerwehren aktiv sind, ist die Kriminalität deutlich gesunken. Der letzte Mord liege schon 6 Monate zurück. Luis Frau wurde vor 2 Jahren bei einem Raubüberfall erschossen. Kurz danach entstanden wohl die Bürgerwehren, Selbstjustiz als Reaktion darauf, dass der Staat diesen wirtschaftlich uninteressanten Teil des Landes im Stich lies und lässt.

So richtet sich die Blockade auch auf den vernachlässigten Straßenbau in dieser Region. Es stimmt, in den meisten anderen Regionen Perus sind die Straßen in einem ausgezeichneten oder wenigsten in einem guten Zustand. Allerdings empfanden wir die Straßen hier noch in Ordnung, manchmal mit etlichen Schlaglöchern, aber im Allgemeinen in einem weit besseren Zustand als etwa die Straßen bei uns in Guatemala. Ok, alles ist relativ.

Wenn eine Gruppe zum Mob wird, fehlt mir jedoch jedes Verständnis. Plötzlich fühlt sich der sonst Unbedeutende wahnsinnig mächtig. Die Gruppe ist mit ihm und deren gesammte Kraft und Schutz. Also kann er endlich mal tun und lassen was er will. Das Eigentum und die Unversehrtheit des Anderen wird egal, „jetzt komme ich, endlich habe ich mal Macht….“

Diese Straße ist öffentlich. Sie wird unrechtmäßig blockiert. Der Mob hindert uns daran auf dieser Straße zu fahren. Er droht uns und er bedroht uns.

Straßenblockade bei Nuevo Jaén, Peru

Warten. Wahrscheinlich werden wir die Nacht hier verbringen. Eine Frau versucht mit Hilfe ihres Mannes ihre Notdurft möglichst unbemerkt an der scheinbar blickgeschützten Seite unseres Autos zu verrichten – wer weiß wie lange sie schon wartet.

Immer wieder kommen Männer mit rasselnden Ketten an uns vorbei, mir kommt das Kotzen, diese A….. . Ok, ich war wütend.

 

Dann blickt ein Mann in unserer Auto: „Um 5 wird geöffnet. Sie haben den Vertrag unterzeichnet.“

Gegen 17:30 war es dann wirklich soweit, die ersten LKWs vor uns fuhren los. Es ging langsam voran.

An der Stelle der geräumten Blockade wurden wir wieder gestoppt. Was soll das jetzt wieder? Geld. Sie wollen Geld. Geld dafür, dass wir von ihnen etliche Stunden  unrechtmäßig festgehalten wurden. Ich platzte. „Peter zahl nicht!“. Peter, der absolut ausnahmsweise mal deutlich Gelassenere von uns, zahlte. Ich platzte: „Ihr seid ja auch noch Diebe!“. Wir dürften weiter fahren.

Straßenblockade bei Nuevo Jaén
Öffnung der Blockade

Es ging weiterhin sehr langsam voran, da nun Gegenverkehr kam, der sich in unsere Schlange verkeilte. Chaos.

Straßenblockade bei Nuevo Jaén
Stau und Chaos

Irgendwann, nachdem Peter wieder sämtliche vorausfahrende Fahrzeuge überholt hatte, kam das Gefühl auf, wir sind wieder frei, wir können fahren, wir schlafen heute Abend in einem Bett, es gibt bald etwas zu Essen. Noch auf vielen Kilometern Fahrstrecke lagen die Reste von vereinzelten Blockaden. Aber sie waren geräumt!

Straßenblockade bei Nuevo Jaén
….es geht weiter …

 

In Tocache fanden wir eine Unterkunft.

 

 

 

 

 

 

 

Straßenblockade auf der PE-5N – Dauer ungewiss

14. Dez.

Früh am Morgen verlassen wir dieses schöne Ambiente des Hotels „La Patarashca“ in Tarapoto in der Provinz San Martín am Fuße der Anden im Norden von Peru.

Hotel "La Patarashca" in Tarapoto in der Provinz San Martín
Hotel „La Patarashca“ in Tarapoto

Hotel "La Patarashca" in Tarapoto in der Provinz San Martín

Wir wären hier sicher länger geblieben, hätten wir gewusst was uns bald erwartete…

Río Huallaga, Provinz San Martín, Peru
Unsere Fahrt ging entlang des Río Huallaga..
Río Huallaga, Provinz San Martín, Peru
… über Bellavista..
Reisfeld bei Río Huallaga, Provinz San Martín, Peru
..vorbei an Reisfelder..
…und endete vorerst hier, bei einer Straßenblockade in Nuevo Horizonte.

 

Unser Track an diesem Tag:

Nach 84 km Fahrt, kurz vor Campanilla und kurz nach dem Ortsschild „Nuevo Horizonte“ in der Region San Martín, war eine Straßenblockade errichtet

Ok, wir kennen Straßenblockaden aus unserer momentanen Heimat Guatemala. „Das dauert jetzt ein paar Stunden“ dachten wir, „wenn wir Pech haben bis zum späteren Nachmittag“.

Um die zeitliche Dimension besser abschätzen zu können, gingen wir vor zur Blockade um mit Passanten oder auch den Verantwortlichen zu reden. Was wir dann hörten, lies uns erstmal ratlos zurück:

  • „die Blockade dauert schon den vierten Tag und geht noch bis Freitag“ (heute war Mittwoch),
  • „es geht nur noch ein paar Stunden, ich denke bis 4 Uhr…nein , nein, Sie können nicht zu den Demonstranten gehen, das ist gefährlich, bleiben Sie hier.“,
  • „wie lange die Blockade noch dauert? Das ist ungewiß, offenes Ende…“
  • „Die wollen einen Vertrag, erst wenn der Vertrag steht werden sie öffnen“

Für uns war klar, wir müssen nun eine Alternative suchen, irgendeine andere Anbindung Richtung Süden muss es ja geben. Mit Blick auf unsere Straßenkarte rechneten wir mit einigen 100 Kilometer Umfahrung.

Option 1 war, wir fahren durch den Nationalpark Rio Abiseo (Parque Nacional Rio Abiseo)

Im Internet war leider kaum etwas über den Nationalpark zu finden. Die Infos gingen über „nicht passierbar“ bis hin zu „ein Einlass in den Park ist nur mit behördlicher Genehmigung möglich“. Doch wenn ein Einlass mit behördlicher Genehmigung möglich ist, so ist ein Befahren ja eventuell möglich. Auf meiner Karte war ein kleiner Weg durch und entlang des Parks über Achiras bis nach Llacuabamba erkennbar.

Nationalpark Rio Abiseo, San Martín, Peru

Wir fuhren zurück nach Juanjui um einen Kanister zu kaufen und aufzutanken. Dann ging es in den Nationalpark Rio Abiseo.

in der Nähe von Juanjui, Peru
Hühner auf Kakaobohnen

Sedimentbeladen schlängelt sich der Rio Abiseo durch eine üppige Waldlandschaft.

Nationalpark Rio Abiseo, Peru

Doch wie die meisten Flüsse in Lateinamerika, dient auch der Rio Abiseo zur dorfnahen Müllentsorgung. Der Müll wird einfach am Flußhang abgelagert. Spätestens der nächste größere Regen hilft den Müllberg in den Fluß nach unten zu transportieren.

Nationalpark Rio Abiseo, Peru
Müllentsorgung in den Fluß Rio Abiseo

Die Fahrt ging erst über angenehme Schotterstrassen, mündete dann aber in einen immer schmaler werdenden Feldweg.

Schon bald war klar: Mit unserem Auto ist dieser Weg nicht mehr passierbar

Nationalpark Rio Abiseo, Peru
Ende unserer Fahrt durch den Parque Nacional Rio Abiseo

Option 2 war, wir fahren nach Westen entlang des Rio Jelache bis Bambamarca

Um danach an den Cordillera Blanca vorbei nach Süden zu gelangen. Etwa 700 km Umfahrung.

Nationalpark Rio Abiseo (Parque Nacional Rio Abiseo), Peru

Kurz nach Huicungo ging es also Richtung Westen. Als erstes musste der Fluß überquert werden. Und das bedeutete auch schon das Aus:

Option 2 scheiterte bereits daran, dass der Rio Abiseo nur für Fußgänger und Motorräder zu passieren ist.

Nationalpark Rio Abiseo (Parque Nacional Rio Abiseo), Peru

Das bedeutete konkret:

Die PE-N3 (carretera Fernando Belaúnde Terry) ist nicht nur die Hauptverbindungsstraße, es ist die einzige östliche Verbindungsstraße in den Süden

Jetzt standen wir vor der Entscheidung abwarten, bis irgendwann in den hoffentlich nächsten Tagen die Blockade aufgelöst wird oder die selbe Strecke zurück in den Norden Perus, um am Besten über die schnelle Panamerikana in den Süden zu gelangen.

Das wären ca. 2000 Kilometer Umfahrung, daher etwa 4 Tage mehr.

Wir fuhren zur Straßenblockade zurück um uns vorort ein Bild über den aktuellen Stand zu machen. Die Kommentare waren etwa diesselben wie am Vormittag, Keiner weiß wirklich was. Wir beschlossen die Nacht in Juanjui zu verbringen und erstmal abzuwarten.

Und wir lernten Luis kennen. Luis lebt in Juanjui, liebt Hahnenkämpfe und ist daher begeisteter Kampfhahnzüchter. Wir verbrachten den Abend mit ihm und dürften seine Familie und einen Teil seiner Kampfhähne kennenlernen.

Straßenblockade bei Campanilla, Peru
Warten vor der Straßenblockade bei Campanilla, im Vordergrund Luis

 

 

 

Volcán de Lodo – Schlammkrater

Tag 17/18

Nach dem Frühstück im heißen Necocli (Departamento Antioquía) ging es weiter Richtung Santa Marta. Wir hofften so weit wie möglich zu kommen.

Volcan de lodo, Schlammkrater

Volcán de Lodo (Schlammkrater) bei Arboletes

Unser Zwischenstopp war ein Volcán de Lodo, ein herrliches Schlammbad in einem vulkanischen Krater.
Kurz nach Arboletes (Departamento Antioquía) Ruta 90 nach Norden, zeigt ein Schild die Einfahrt zum Volcán de Lodo (Schlammkrater) an. Allerdings gab es zwei Einfahrten, wir nahmen erst die Falsche. Am richtigen Parkplatz angekommen, feixte der Parkplatzwächter: „Ihr seid falsch gefahren, gell, hahaha, ihr habt vorhin den falschen Weg genommen, ich habs gesehen, hahaha“. Ich klopfte ihm auf die Schulter: „Sie machen sich lustig über uns! Hahaha“. Das ist also der hießige Humor.

chemische Zusammensetzung, Schlammkrater bei Arboletes
Chemische Zusammensetzung des Kraterschlamms

Direkt am Meeresstrand auf 32 m Höhe erstreckt sich mit 63 Metern Durchmesser das Kraterloch. Der angenehm warme Schlamm besitzt eine Dichte von 1,7 g/cm³, höher als der menschliche Körper. Daher: Mensch kann nicht untergehen.

olcán de lodo, Arboles, Schlammkrater
Man steigt in die dunkle Masse, die einen angenehm umgibt und liegt, steht oder sitzt sicher im Schlamm. Fortbewegen kann man sich mit rudernden Armbewegungen oder fahrradfahrenden Beinen. Iris, die sich mit Massagen im Schlammbecken ihr Geld verdient zog mich mit ihren starken Armen Richtung Kratermitte.

Volcán de lodo, Schlammkrater bei Arboletes, Birgit Knoblauch
Ein wunderbares Gefühl sich einfach fallen zu lassen, sicher umgeben von der warmen Masse des Schlammes. Ab und zu blubbert es neben einem besonders dann, wenn mensch sich bewegt. Physikalisch ist das alles einfach erklärbar, spannend, wenn man es selbst erlebt.

Man sagt dem Schlammbad heilende und schmerzlindernde Kräfte zu, ich denke analog eines Wärmekissens. Auf jeden Fall hat es den Effekt einer Ganzkörper Tonerde-Maske; nämlich herrlich samtige Haut.

Volcán de Lodo (Schlammkrater) bei Arboletes, Peter Weilharter
Wenn es einem in diese Gegend Kolumbiens verschlägt, genießt unbedingt so ein Schlammbad. Entweder hier oder, in einem kleineren Format, im Volcán de Lodo El Tumo. Unsere Empfehlung ist ganz klar Arboletes, wegen der geringeren Zahl an Besuchern und dem großen Krater in dem man sich so lange man will frei bewegen kann. Der Eintritt ist frei. Lediglich fürs Duschen muss man 3000 COP (90 Cent) bezahlen, das ist allerdings notwendig.

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Unser Track:

Attacke einer Jugendbande in Barranquilla

Die Fahrt ging weiter Richtung Barranquilla. Wir kamen gut voran. Etliche Bananenplantagen säumten unseren Weg.

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Es war eine schöne Fahrt. Kurz vor Barranquilla, einer 1,6 Millionen Hafenstadt im Departamento Atlántico, wurde es dunkel, ansprechende Unterkünfte waren nicht in Sicht, deshalb beschlossen wir bis Santa Marta, noch gute 100 km, weiter zu fahren. Wir durchquerten Barranquilla und fuhren bereits auf der Brücke über den Rio Magdalena Richtung Osten raus aus der Stadt.
Es war 19 Uhr, es herrschte Dunkelheit und mäßig viel Verkehr auf der Brücke.

Es ging vorbei an Polizei und Baustellen als es stoppte. Ein Auto vor uns hatte eine Jugendbande von etwa 30 Jugendlichen eine rund 1 Meter hohe Barrikade von Ästen errichtet. Ein Weiterfahren war unmöglich.  Die Jugendliche umringten mit aggressiven Gesten das vor uns stehende Auto. Für uns war klar, wir warten nicht wie die Schafe vor der Schlachtbank, wir flüchten. Dem vorderen Autofahren zu Hilfe zu kommen war Angesicht der Anzahl der Jugendlichen nicht möglich.
Peter sah links der Meute eine Möglichkeit durchzukommen und raste los. Allerdings musste er abbremsen um nicht 2 weibliche Jugendliche, die der Bande angehörten, zu überfahren. Indem Moment bekam unser Auto auch schon einen Schlag von hinten ab. Peter schlängelte vorbei, wich noch einem Jugendlichen aus, der gerade dabei war einen Stein auf unsere Frontscheibe zu schleudern und fuhr davon. Wir wussten nicht ob wir verfolgt wurden.

Nach etwa 200 m war der nächste Polizeiposten. Wir hielten an und ich berichtete von der Gefahr indem die Autofahrer unweit des Posten steckten. Die Polizei wiegelte ab und deutete uns weiterzufahren. Ob sie bereits aktiv wurden oder es werden war unklar.
Dieses Ohnmachtsgefühl in einer solchen Situation sitzt tief. Wir wissen nicht welche Waffen die Jugendliche besitzen, wir wissen nicht wie weit sie gehen werden. In Guatemala werden nicht hörige Autofahrer_Innen erschossen bzw. beschossen.
Trotzdem hatten wir für solche Situationen beschlossen, wenn es irgend möglich ist zu flüchten und in Kauf zu nehmen beschossen zu werden, als uns zu ergeben.
Ich rate jedoch immer den Leuten, wenn sie nach der Sicherheitslage in Guatemala fragen, alles zu tun was die Angreifer verlangen.

Ich hätte mir in der Situation gewünscht eine Pistole mit Gummigeschossen zur Hand zu haben, soviel zum Thema Waffengesetz. Auch kam bei uns die Frage auf, inwieweit ist uns die Unversehrtheit eines Bandenmitglieds wichtig. Anders ausgedrückt, würden wir in einer solchen Situation, in der wir nicht wissen können mit welchen Waffen sie uns attackieren, auch einen Jugendlichen überfahren, daher, seinen Tod in Kauf nehmen? Mir ist in der Situation wirklich völlig wurscht ob hier Perspektivlosigkeit, unglückliches Elternhaus oder ähnliches mit eine Rolle spielen, in der Situation ist nicht nur mein Hab und Gut bedroht sondern auch unsere Unversehrtheit. Und ja, zumindest ich würde auch einen Jugendlichen überfahren um zu flüchten, nämlich dann, wenn die Attacken auf uns massiv werden oder auch nur, wenn die empfundene Bedrohung auf unser Leben überhand nimmt.
Wir kamen erschöpft in Santa Marta an. Tag 18 haben wir damit verbracht einen Fun-Dive in Taganga für den nächsten Tag zu buchen und zu relaxen.

Küstenstraße Kolumbien  Küstenstraße Kolumbien